Gut Holzhausen

Das Gut Oheimb hatte früher viele Namen: Gut Holzhausen, Grauer Hof, Gronen Hof, Oheimbs Hof, Schloss Holzhausen a.d. Porta.

In der ersten urk. Erwähnung 1099, erhielten die Edelfrau Reinnildes und ihre Tochter Reimuldis den bischöfl. Hof Holzhausen am Schalksberge zu lebenslangen Nutzung.

*Bischof Werner von Minden erwarb den Hof dann 1170 v. Reinnuldis, die damals Äbtissin zu Wunstorf war, zurück.

*1339-1344 Besitzer: Knappe Ludolf von Slon

*1572 kaufte der Amtmann zu Hausberge, Johann von Grone, das Holzhauser Gut, aber erst 1620 wurde bekannt, dass ein Johann von Grone, der Jüngere, (Taxwert 30.000 Reichstaler) Besitzer des Gutes wurde. 1655 heiratete dann Johann Friedrich Ferdinand von Grone eine Anna Katharina von Wartensleben (Siehe auch Kronleuchter in der Kirche). 1672 ist von 4 Söhnen aus dieser Ehe die Rede. 1690 wurde ein Herrenhaus erbaut sowie weitere Landkäufe getätigt. So wurde z.B. auch das überschuldete Gut derer von Frohnhorst erworben und die von Grones kamen dadurch auch in den Besitz der Wassermühle am Helserbruch, später als Linken Mühle bekannt.

Rund um die Schlacht bei Minden (1759) erschien am 2. August 1759 ein berittener Franzose, der vom Gutsherrn von Grone 12 Reichstaler erpressen wollte.

1768 Johann Friedrich von Grone Tochter, Lucie Charlotte Elisabeth, verlobte sich mit dem Obristen Johann Friedrich Georg Wilhelm von Oheimb (geb.:15.06.1735; gest.:21.06.1818), den sie später auch heiratete. Die andere Tochter, Luise Friderike, war Herrn von Schele auf Hudenbeck verheiratet.  

Unweit der „Linken-Mühle“ liegt die Grabstätte des Obristen Friedrich Georg Wilhelm von Oheimb (1735 - 1818), der dem Holzhauser Gut 1772 „seinen Namen gab“. 1768 heiratete er die erbberechtigte Tochter des Johann Friedrich Grone, Charlotte Lucie Elisabeth, und übernahm das Gut und auch das Gebiet der Linken Mühle, wo das Gut eine Wassermühle (mit Teich) betreib, gehörte dazu. 

Der Ehe entsprang der Sohn Alexander . 

 

*Alexander Wilhelm Heinrich August von Oheimb: *19. Jan. 1820 in Enzen bei Stadthagen auf dem Familiengut als jüngster von 3 Söhnen geboren. Er besuchte erst das Gymnasium in Rinteln -  wechselte 1837 nach Minden und machte im März 1838 sein Abitur am Gymnasium in Minden. Laut Abiturzeugnis: "...nicht ohne Talent....auch wenn er nur geringe Kenntnisse in Philosophie und Religion aufweisen kann....wenn er fortführt auf der bisherigen Bahn, möge er in der Lage sein, recht tüchtig es zu vollbringen...". AvO studierte danach 3 Jahre lang Jura in Berlin und Bonn und trat 1841 in den preußischen Staatsdienst ein. Ab 1843 war er Referendar am Oberkreisgericht in Paderborn und ab 1846 Oberlandesgerichtsassistent. Am 30.01.1847 heiratete er Klara Wilhelmine Henriette Naber (geb. am 20.12.1825 in Paderborn und Tochter des preuß.  und Archivars am Oberlandesgericht PB) mit der er sechs Kinder hatte. Zeitgleich wechselte er aus Paderborn nach Minden, um dort in der zivilen Verwaltung als Assessor zu arbeiten. Der Park in Holzhausen wurde um 1852 angelegt und beinhaltet eine Familiengrabstätte mit 10 Gräbern.

1854 wurde er kurzzeitig nach Koblenz als Regierungsrat versetzt. Auf eigenen Wunsch verließ er 1856 den preuß. Staatsdienst und übernahm das Amt des lippischen Kabinettsministers des Fürstentums Lippe-Detmold. Als solcher gab er den Ausschlag bei zahlreichen innen- und außenpolitischen Entscheidungen, vor allem im Jahre 1866. Bismarck versuchte (das kleine) Lippe auf die Seite Preußens gegen Österreich zu ziehen, denn Lippe sollte Bundesgenosse von Preußen werden. Als ehemaliger preuß. Staatsdiener setzte sich AvO für Preußen ein. Dafür wurde ihm später ein preuß. Orden verliehen. Später war AvO der erste lippische Vertreter im Reichstag und trug das Prädikat "Exzellenz". Jedoch ließ seine Sympathie für Preußen etwas nach, da diese "plötzlich" hohe finanzielle Forderungen an das kleine Fürstentum stellten. Die Opposition im eigenen Lager wuchs gegen ihn und zum 1. April 1868 schied AvO aus dem lippischen Dienst aus und zog sich auf sein Holzhauser Gut zurück, welches er schon vorher bewohnte. Als 1869 der Mindener Landrat von Schlotheim verstarb wurde AvO (kommissarischer) Landrat von Minden. Später wurde er mit 17 von 18 Stimmen gewählt und am 22. Februar 1870 erfolgte die Amtseinführung ins neue Amt: Landrat in Minden. Er setzte sich vorrangig für Straßenbau und Schulwesen. Hierbei prangerte er vor allem den Zustand der ländlichen Volksschulen an und wies auf den Lehrermangel hin. Er bot dem Regierungspräsidenten oftmals die Stirn bzw. sprach ihm gegenüber in einer deutlichen Sprache. Von Oheimb war ein überzeugter Konservativer (Preuße und Bismarckverehrer), aber auch ein Widersacher der "neuen" Sozialdemokratie. Besonders in diesem Punkt war er sich mit Bismarck absolut einig. Während seiner Amtszeit amtierte sein Halbbruder Ferdinand von Oheimb im Nachbarkreis Lübbecke. Für Holzhausen setzte Alexander v. Oheimb jährlich eine Summe für Schulferien aus. Ab 1873 übernahm AvO selbst die Bewirtschaftung des Holzhauser Gutes - gleichzeitig war er Reichstagsabgeordneter in Berlin und Vorsitzender des Provinziallandtages in Münster. In dieser Eigenschaft war er auch einer der Initiatoren des Baues des KWD. Er hielt am 18.10.1896 die Eröffnungsrede in Gegenwart des Kaiserpaares. Von Oheimb sah in dem Denkmal einen Appell, über die trennenden Parteien und Interessengegensätze hinweg, das allgemeine Wohl zu wahren zu fördern.

1891 wurde er, anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums, mit dem Ehrenbürgerrecht der Stadt Minden ausgezeichnet und Landrat Bosse trat seine Nachfolge an.

Seine Frau Henriette starb am 04.03.1899 in Holzhausen.  

AvO verstarb am 8. August 1903 auf seinem Holzhauser Gut. Hier fand er auch seine letzte Ruhe, wobei sein Grab bzw. die Lage seines Grabes nicht mehr eindeutig zu identifizieren ist.

 

Weitergabe des reichen Familien-Gutes an die Söhne: Wälder und Wiesen wurden später verkauft. AvO`s Sohn Bodo (Oberst a.D.) übernahm im Jahre 1903 das Gut und führte es bis zu seinem Tod 1907. Danach ging es an seinen jüngeren Bruder Hans Joachim, der letzte von Oheimb. Zu dieser Zeit beschäftigte er noch umfangreiches Personal: Förster, Gärtner, Kutscher, Arbeiter, Köche und Dienstmädchen. Außerdem unterhielt und „beschäftigte“ eine französische Gesellschafterin die Mutter von Oheimb. Die Kutscher und Gärtner wohnten früher „gegenüber“ – auf dem heutigen NP-Gelände. Dort stand die „Villa Hindenburg“. Das Gut besaß vier Pferde und einige Kühe (und einen Melker!). Im Bereich des heutigen Parkweges legte er eine Hühnerfarm an, die aber nicht lange Bestand hatte. HJvO reiste sehr viel und verkaufte dafür auch Teile seiner Ländereien (u.a. auch das Gebiet des heutigen Vogelparadieses an Michelsohn), da er öfters in Geldnot war und leitete damit den wirtschaftl. Niedergang des Gutes ein. Ihm gehörten auch. Wald- und Wiesengebiete im Bereich des heutigen  Papensgrund. Seine erste Frau, und Mutter von Lilo, stammte vom Rittergut Hudenbeck bei Holzhausen im Kreis Lübbecke, welches Lilo "später" eigentlich mal bekommen sollte. Der Rittmeister führte in Berlin und Goslar ein aufwendiges Leben mit seiner 2. Ehefrau, der Politikerin Katharina Gräfin von Kardorff-Oheimb. (K. teilte dem Parteivorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, am 13. März 1925 ihren Austritt aus der Partei mit. Damit kam sie einem Ausschluss aus der Partei zuvor, den Partei-genossen aufgrund von "einer Reihe von Vorkommnissen" angestrebt hatten).

Nach dem 2. WK musste er das Gut - aus Geldnot - verkaufen. Aber: er war "vorher" auch ein Förderer der Holzhauser Vereine. Oftmals besuchte er auch die Holzhauser Gaststätten, um dort Karten zu spielen. 1950 (oder 1953 ?) verstarb Hans Joachim von Oheimb an Krebs und wurde auf dem Gut Hudenbeck beigesetzt.

 

Am 18.06.1911 wurde im bzw. auf dem Gut Oheimb (Lieselotte) "Lilo" von Oheimb, eine spätere charismatische Künstlerin, geboren. Ihr Vater (Hans-Joachim) brachte ihr militärischen Drill bei und lehrte sie den Umgang mit Gewehr und Pistole. Sie begegnete - 7-jährig - auf einem Bahnhof dem deutschen Kaiser, Wilhelm II. "Ich machte einen Knicks und überreichte ihm Rosen. Den Knicks machte ich so tief, dass ich nur noch seine Stiefel und seinen Dackel sah. Er ging gleich weiter, während ich in dieser Stellung blieb". Mit 21 zog Lilo von Oheimb (LvO) nach Berlin und machte dort Karriere als Balletttänzerin und "normale" Tänzerin. Sie tanzte und schauspielerte am legendären Schiller-Theater - u.a. mit Heinrich George und Gustav Gründgens. In UFA-Spielfilmen trat sie als Statistin auf. Im Theater traf sie einst Adolf Hitler – im wahrsten Sinne des Wortes: "Ich lief sehr eilig durch Foyer, dabei stieß ich fast einen Mann um. Es war Adolf Hitler. Trotz des Zwischenfalls war er sehr charmant zu mir." Später zeigte sie öffentlich ihre Abneigung gegenüber Hitlers Politik, da auch ihre jüdischen Mit-Schauspieler und Freunde deportiert wurden. Herman Göring musste sie einst erklären, warum sie unerlaubt in einem Jagdflugzeug mitflog. Ihr Freund war ein Luftwaffenoffizier, der ihr wohl imponieren wollte und das Fliegen beibringen wollte. Dieser Freund verstarb später bei einem Luftangriff im 2. WK - genauso ein 2. Verlobter. Über den Weltkrieg und Ehe sprach sie danach kaum noch. Als sich der 2. WK dem Ende neigte wurde LvO als Flak-Helferin eingesetzt und kehrte nach Kriegsende in die alte Heimat zurück. Anfangs wohnte sie bei ihrer Schwester Rosemarie von Schellersheim auf dem Rittergut Eisbergen. In Holzhausen traf sie ihren (gebrochenen) Vater wieder, dem der Holzhauser Besitz (finanziell) entglitt. Auch das Rittergut Hudenbeck bei Lübbecke, welches eigentlich für Lilo bestimmt war, musste er verkaufen. 

LvO gründete eine Ballettschule und arbeitete später als Sekretärin bei den in Minden stationierten brit. Streitkräften. 1970 versuchte sie das Familiengut Oheimb zu erwerben - das DRK lehnte jedoch ab. LvO starb im April 2005 in PW-Neesen.

  

Im 2. Weltkrieg war das Gut ein Kriegs-Lazarett und nach dem 2.WK eine Privatklinik von Prof. Dr. E. Simon, der in Minden ausgebombt wurde - später aber wieder nach Minden zurückkehrte. (Facharzt für Chirurgie, Marienstr 15, Minden). Auf seinem offiziellen Briefkopf  stand damals u.a. „Schloß Holzhausen a.d. Porta“)

Auch die große Fabrikantendame, Melitta Bentz, wurde krank in die Simonsche Klink eingeliefert, verstarb am 29.06.1950 dort und wurde später auf dem Mindener Nordfriedhof beigesetzt. Die Klinik soll bis ca. 1952 bestanden haben. 

Dann wurde das DRK Müttergenesungsheim, mit Mitteln aus der Elly-Heuss-Stiftung 1952- des Deutschen Müttergenesungswerkes, erbaut. Das Richtfest war im Sept. Am 07. Nov. 1953 wurde dann das DRK Kurheim/ Müttergenesungswerk eröffnet - zwei Tage später zogen die ersten Kurgäste ein und wurden von der Heimleiterin, Elsbeth Görbing, und dem leitd. Arzt, Dr. med. Otto Mengler aus Bad Oeynhausen, begrüßt. Hausmeister war Willi Boger. Anfangs fanden 55 Mütter eine temporäre Bleibe. Getreu des Spruches von Elli Heuss-Knapp (Frau des Altbundespräsidenten):"Wer einer Mutter hilft, hilft der ganzen Familie", wurden die Frauen hier mit den Sympthomen, Herz, Kreislauf, Rheuma, sowie Krebskrankheiten (Reha) mit Bestrahlungen, Inhalation, Mikrowellen und Höhensonne behandelt. Rund 50 % der Frauen fuhren auch 2-3 mal während der Kur nach Bad Oeynhausen, um dort Thermalbäder zu nehmen. Auch die sogenannte "leise Therapie" wurde hier angewendet: Spaziergänge, Verabreichung von Vitaminen, Entspannung und Erholung - auch im angrenzenden Park. Hier hatte z.B. Kreisgärtner Branahl, mithilfe der Minder Pioniere, einen kleinen Teich mit Brücke angelegt. Im Rahmenprogramm des DRK-Heims (auch in der Konzertmuschel im Park) sang z.B. der MGV Eintracht Holzhausen, die Puppenspieler Erika und Bruno Preuß aus Minden spielten auf und Kreisoberbaurat Herbert Niemann spielte Musikstücke. 

1972 gab es eine Neuerung, denn ab diesem Zeitpunkt durften auch 3-6 jährige Kinder mit aufgenommen werden, die tagsüber in einer Spiel- Betreuung waren. 

 

Als "das Haus" 1987 geschlossen wurde, kaufte es die Habitat Senioren-Wohnheim GmbH aus Bad Sassendorf. 1989 wurden in dem Objekt, durch Lockerung des „eisernen Vorhangs“ 1989/90, übergangsweise Aus- und Übersiedler in den Jahren aus der alten UdSSR untergebracht - "danach" gab es viele unausgeführte Pläne und das Gut führte ein tristes Dasein bis es zusehends zerfiel (Denkmalschutz!).

*1999 brachte die Stadtsparkasse Porta Westfalica zum 900-Jahre-Jubiläum eine Stadtmedaille heraus (10. Stadttaler) mit einer limit. Auflage von 300 Stück (randnummeriert); Durchmesser 35 mmm; Feinsilberanteile 999/000; Gewicht ca. 15 g Reliefprägung. 

*Es gab immer wieder Versuche das Herrenhaus /das Gelände zu "beleben". So z.B. auch am 4. Sept. 2002 als in den Gasthof "Zum Kruge" eingeladen wurde. Kreisheimatpfleger Dr. Gerhard Franke, Dr. Spohn vom Westf. Amt für Denkmalpflege und der Architekt Wolfgang Riesner, Vorsitzender des Vereins der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) im Kreis Mi-Lü wollten die Zukunft des Gut Oheimb "positiv" gestallten - vergeblich!

Ab 2009 war der Park öffentlich (auch dank (Arbeits-) Hilfe der Holzhauser OG). Das Objekt, dass mit Denkmalschutz- und Brandschutzauflagen behaftet ist, wechselte 2018 für den symbolischen Betrag von 500 Euro den Besitzer und ging an einen Privatmann. Das Gebäude (und das Park-Areal) warten weiter auf eine weitere Verwendung. 

 

 

"In der Nachbarschaft" entstand (nach Abriss der vorhanden Schuppen/ Scheunen) der Neubau des Seniorenstiftes Anima (mit gleichnamigen Cafe, welches seit November 2018 mit ca. 80 Einzelzimmern in Betrieb ist.