Die beiden Weltkriege

 

Der 1. Weltkrieg

 

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges am 1. August 1914 trat ein  verständlicher Stillstand in der Entwicklung ein. Dennoch herrschte in den ersten Kriegsmonaten zunächst eine euphorische und siegessichere Stimmung.

 

Mit der Begeisterung kam auch Spionagefurcht auf. So berichtet die Schulchronik aus dem Jahre 1914:

 

"Jedes Auto wurde angehalten. Die nächtliche Bewachung der Chaussee am Kriegerdenkmal wurde dem Arbeiter Wilhelm Feldmann und dem Kolon (Bauern) August Haferkamp Nr.46 übertragen. Als Waffe, damit sie nötigenfalls ein Auto zum Halten bringen konnten, wurde den Wachtposten eine Vogelflinte in die Hand gegeben. Von der Waffe ist kein Gebrauch gemacht, weil alles ruhig blieb und kein feindliches Auto sich sehen ließ."

 

Am 1. April quartierte sich die 2. Kompanie des II. Ersatzbataillons Infanterieregiment 15 in Holzhausen ein. Die Feldküche stand im 1912 erbauten Spritzenhaus, die Schreibstube befand sich im Kutscherhaus des Gutes Oheimb. Die Soldaten waren in den Sälen der Gastwirte Lücking und Maschmeyer untergebracht.

 

Der Chronist vermerkt:

 

"Trotz des Ernstes dieser Zeit hat es Gott Amors doch versucht, seine Pfeile hierhin und dorthin zu schleudern und verstanden, manches Herz an seiner empfindlichsten Stelle zu verletzen. Manches zartes Liebesband scheint geknüpft zu sein. Ob von Dauer oder nach dem Grundsatz ' Anderes Städtchen, anderes Mädchen' und ob der trauliche Umgang noch andere ernstliche Folgen nach sich zieht, das wird die Zukunft lehren. "

Von der Zivilbevölkerung verlangte der Krieg erhebliche Einschränkungen und Opfer. So wurden mehrere Kriegsanleihen durchgeführt, bei denen die Bevölkerung - selbst die Schulkinder - ihr Geld gegen Anleihepapiere eintauschten. Unterrichtsausfall wegen fehlender Heizmaterialien war in den Schulen an der Tagesordnung. Statt dessen wurden von den Schulkindern Sammlungen von Altmetallen durchgeführt.

 

Die anfängliche Begeisterung machte, nachdem auch Holzhausen mehrere Kriegstote zu beklagen hatte und ab etwa 1917 Hunger und Not immer drückender wurden, dem stärker werdenden Wunsch nach Ende des Krieges Platz. Dies läßt sich auch an den Ergebnissen der einzelnen Kriegsanleihen ablesen. Während die achte Kriegsanleihe im März 1918 noch 2.400 Mark erbrachte, kamen bei der neunten Kriegsanleihe von September 1918 nur noch 514 Mark zusammen. So ist über diese Kriegsanleihe dann auch vermerkt:    

 

"Diese Anleihe ist gegen die vorige sehr zurückgeblieben. Es mag daran liegen, daß inzwischen allerlei trübe Nachrichten von der Kriegslage eingelaufen sind."

 

Im Laufe des Krieges sind 75 Männer aus Holzhausen gefallen, nach Kriegsende starben dann noch 5 weitere Männer an ihren Kriegsverletzungen.

 

 

Zwischen den Kriegen

 

Mit Ende des Krieges war die wirtschaftliche Situation wieder einmal sehr bedrückend. Für die entlassenen Soldaten war es schwer, wieder Arbeit zu finden. Die dann einsetzende Inflationszeit hemmte den Aufbau. Erst nach der Einführung der Reichsmark im Jahre 1924 begannen einige stabile Jahre, in denen auch die Bautätigkeit wieder einsetzte.

 

Nach dem 1. Weltkrieg wurde dann auch das Dreiklassenwahlrecht abgeschafft. Am 6. April 1919 wurde der neue Gemeinderat gewählt: Gemeindevorsteher Lücking Nr.53, Gemeindeverordnete: Hecker,Tenge, Maschmeyer, Handirk, Korff, Schrader, Bierbaum, Büsching und Beilke.

 

Das Amt des Gemeindevorstehers haben bis 1945 folgende Bürger bekleidet:

 

1919 - 1922 Fr. Lücking, Nr. 53
1922 - 1924 Ferd. Büsching, Nr. 25
1924 - 1933 Karl Breyer, Nr. 120
1933 - 1934 Franz Süchtig
1934 - 1943 Karl Bornemann
1943 - 1945 August Tebbe

 

1927 führte das EMR die Buslinie Minden - Holzhausen ein. Damit war eine bessere Anbindung an Minden möglich.

Holzhausen um 1925
Holzhausen um 1925

Die durch den Bankenzusammenbruch von 1929 in den USA ausgelöste Weltwirtschaftskrise wirkte sich auch in Holzhausen aus. Am 30.6.1930 erfolgte die Stillegung der Glasfabrik Porta. Dadurch verloren 500 Arbeiter ihren Arbeitsplatz. Im Frühjahr stürzte dann auch noch der Steinbruch der Zementfabrik Porta ein. Dadurch gingen nochmals 250 Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenunterstützung war kärglich. Sie betrug für einen normalverdienenden Arbeiter ca. 18,- Mark wöchentlich. Nach einem halben Jahr begann eine gekürzte Krisen­unterstützung. Diese wurde jedoch auch nur 9 Monate lang gezahlt. Wer auch nach Ablauf dieser Frist keine Arbeit gefunden hatte (und das waren die meisten), bekam lediglich noch vom Wohlfahrtsamt ca. 5,- Mark in der Woche. Viele Arbeitslose standen so an den Kieslöchern und an der Weser und angelten, um damit den Lebensunterhalt zu sichern.

 

Die Arbeitslosen wurden zum Teil von der Gemeinde für diverse Bauvorhaben angestellt. Im Akkordlohn zerkleinerten sie die an den Landstraßen angefahrenen Steine mit Spezialhämmern zu Schotter. Auf der Huxhöhe wurde ein gemeindeeigener Sportplatz gebaut.

 

Diese Einreihung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß wurde nach 1933 systematisch weitergeführt. Der Bau der Autobahn wurde begonnen und die ausgebaggerten Kieslöcher im Vogelparadies wurden zum Teil verfüllt. Für letzteres war ein besonderer Fond im Gemeindeetat vorgesehen. Durch die Verfüllung der Kieslöcher entstand eine gemeindeeigene Wiese von 30 Morgen Größe. Der Reichsbahn wurde vertraglich das Auffüllen der übrigen Kieslöcher im Vogel­paradies überlassen. Zur Verfüllung kamen hier Abfälle aus dem Gebiet der Reichsbahndirektion Hannover.

 

Für den Bau der Autobahnbrücke über die Weser beantragte der Rat einen Fußgänger- und Radweg, da etwa die Hälfte der Beschäftigten Holzhausens ihren Arbeitsplatz in Bad Oeynhausen hatten. Die Autobahn wurde am 23.9.1939 von West nach Ost fertig. Danach erfolgte der Ausbau der Möllberger Straße bis Papensgrund als Chaussee. In der Ausschreibung der Arbeiten wird zur Bedingung gemacht, daß in erster Linie die Wohlfahrtsempfänger der Gemeinde eingestellt werden müssen.

 

Doch nicht nur die Arbeit wurde in dieser Zeit verwaltet. Wie sehr auch die Freizeit unter einer totalitären Regierung zum Politikum werden konnte, möge folgendes Zitat aus dem Gemeindeprotokollbuch belegen:

 

"Holzhausen, den 2. Mai 1935

 

Man hatte damit gerechnet, daß sich die Jungend allmählich der Hitler - Jugend oder der SA bzw. dem Männerturnverein Deutsche Turnerschaft Holzhausen anschloß, da die DT über einen Sport­platz verfügt, der allen anderen Organisationen der nationalsozialistischen Bewegung sowie auch den Schulen zur Benutzung freigegeben wurde. Die Annahme scheint sich in Holzhausen nicht restlos zu erfüllen, denn seit einiger Zeit hat sich ein neuer Fußballverein oder dergleichen gebildet, der zum Teil noch aus auswärts wohnenden Leuten besteht, der aber auf Anfrage der Gaustelle für den Deutschen Fußballbund Nordrhein - Westfalen in Essen/Ruhr von der gesamten Gemeindevertretung abgelehnt wurde.

 

Trotzdem seitens der Gemeinde von dem Gemeindesportplatz alles entfernt worden ist, sind seit einiger Zeit sehr wahrscheinlich von den Mitgliedern des genannten Fußballvereins, ohne von der Gemeinde dazu die Genehmigung einzuholen, Fußballtore errichtet! Ich sehe hierin eine Untergrabung bzw. eine Mißachtung behördlicher Maßnahmen, die ich nicht dulden kann. Aus dem angeführten Grund beschließe ich hiermit: Der Fußballverein wird von mir aufgefordert, die von ihm errichteten Tore bis zum 11. Mai 1935 von dem Gemeindesportplatz zu entfernen, andernfalls wird die Gemeinde die Arbeit auf Kosten des Vereins ausführen lassen. Ferner beschließe ich ... , versuchsweise einen Teil des Platzes mit Gras bzw. Luzerne einsäen zu lassen.“

 

In zwei verschiedenen Vereinen wurde in Holzhausen Sport betrieben: der 'Rote Arbeitersportverein', dessen Vereinslokal Lücking war, spielte Fußball, die blaue 'Deutsche Turnerschaft', die Maschmeyer als Vereinslokal hatte, spielte Handball. Durch die unterschiedlichen politischen Einstellungen kam es zwischen den beiden Vereinen oft auch zu persönlichen Feindschaften. Der Arbeitersportverein war bereits 1933 offiziell von den Nazis verboten worden.

 

Im März 1935 erfolgte die Einführung der allgemeinen Wehr- und Arbeitsdienstpflicht, letztere später auch für Mädchen. Bereits ein Jahr vorher war der Reichsluftschutz angeordnet worden. Es finden sich Vermerke über den Beitrag zum Luftschutz in den Ratsprotokollen. Es bleibt dem Leser überlassen, aus diesen Maßnahmen seine Schlüsse zu ziehen.

 

Im Jahre 1938 ist öfter versucht worden, die Costedter Enklaven (heute Steinsiek, Schmales Feld usw.) zu bereinigen. Diese Flächen auf Holzhauser Gebiet, die sich im Costedter Besitz befanden, sollten gegen andere Gebiete eingetauscht und nach Holzhausen umgemeindet werden. Dies scheiterte jedoch am Widerstand der Bürger und des Rates von Costedt, selbst auf die Benutzung des Lehmstiches und der Kiesgruben wollte Costedt nicht verzichten.

 

 

Der 2. Weltkrieg

 

Als 1939 der 2. Weltkrieg begann, war es besonders die ältere Generation, die noch die Schrecken des 1. Weltkrieges in Erinnerung hatte und darum den kommenden Ereignissen mit großer Sorge entgegensah.Sofort erfolgte dann auch Verkaufsverbot von Textilien und Schuhen. Lebensmittel-, Raucher-, Kartoffel- und Kohlenkarten wurden ausgegeben. Die Hausschlachtungen wurden beschränkt und kontrolliert. Trotz harter Strafandrohungen ist es doch immer wieder zu Schwarz­schlachtungen gekommen, so daß die Landbevölkerung kaum Ernährungs­sorgen hatte. Doch natürlich verschlechterte sich die Versorgungslage mit zunehmender Dauer des Krieges auch in Holzhausen.

 

Die Möbelfabrik Karl Brandt am Frankenring wurde zum Kriegs­gefangenenlager. Auf dem Bruch wurden Baracken für Zwangsarbeiter aus dem Osten errichtet.

 

Besonders im letzten Kriegsjahr mußte immer häufiger Fliegeralarm gegeben werden. Schwärme feindlicher Verbände zogen über Holzhausen hinweg. Selbst auf den Feldern pflügende Bauern wurden von Tief­fliegern beschossen. Karfreitag kamen bei einem schweren Luftangriff auf die Weserhütte auch einige Holzhauser ums Leben. In den ersten Apriltagen fielen Bomben auf die Autobahnbrücke. Dabei gab es 55 Tote. Eine Luftmine fiel ins Vennebeckerbruch.

 

Am 6. April 1945 näherten sich dann amerikanische Truppen von Vennebeck kommend Holzhausen. Bei einem kleineren Gefecht an den Huxtannen gab es noch Tote. Die verängstigte Bevölkerung versteckte ihre Wertgegenstände. Doch ist es nicht zu größeren Übergriffen amerikanischer Soldaten gekommen.

 

Ein Flüchtlingsehepaar aus Osnabrück, das bei der Familie Schilling am Heesen wohnte, erschoß ihre beiden Kinder und unternahm danach einen Selbstmordversuch, da sie sich durch die amerikanischen Soldaten bedroht fühlten. Frau Griemert, die ihr Vieh füttern mußte, ist auf dem Wege vom elterlichen Haus zum Stall von amerikanischen Soldaten erschossen worden.

 

Die von den Amerikanern befreiten Zwangsarbeiter, in erster Linie Polen und Russen, bereiteten den Einwohnern größere Sorgen als die Besatzungsmacht. Es kam zu Plünderungen und Diebstählen. Beherzte Bürger bildeten eine Wache, konnten aber gegen die bewaffneten Polen wenig ausrichten.

 

Die Amerikaner wurden später von einer britischen Besatzung abgelöst. Einige Häuser blieben für Jahre von der Besatzungsmacht beschlagnahmt.

 

Der 2. Weltkrieg hat insgesamt 215 Einwohnern Holzhausens das Leben gekostet. Die Kriegsopfer sind in einem Gedenkbuch festgehalten, das in der Kirche ausgelegt ist.